Was tun im Pandemiefall?

Mögliche Auswirkungen einer Pandemie:
Eine Pandemie beschreibt einen weltweiten Ausbruch einer Krankheit.
Ich werde mich ausschließlich mit Influenzapandemien, also Grippen die sich über die ganze Welt verbreiteten, beschäftigen. Wie zuvor erwähnt, könnte eine solche Pandemie von mutierten oder mit der menschlichen Grippe vermischten H5N1 Viren ausgelöst werden.

Was genau uns dabei blühen würde, darüber können die Influenzapandemien des
20. Jahrhunderts Aufschluss geben. So forderten die „Spanische Grippe“ (1918-1920 / 20-40 Millionen Todesopfer weltweit), die „Asiatische Grippe“ (1957-1958 / 1-5 Millionen Todesopfer weltweit) und die „Hongkong Grippe“ (1968 / 750000 – 2 Millionen Todesopfer weltweit) das Leben vieler Menschen.

Die Vergleiche mit diesen Pandemien sind durchaus angemessen, da ihre vor Kurzem gelungen Virus-Rekonstruktion zeigte, was viele Experten schon ahnten. Damals kam es nämlich, genau wie bei der Vogelgrippe befürchtet, zu einem Austausch zwischen aviären (von Vögeln stammend) und humanen RNA-Strängen. Sprich, die Viren reassortierten und so entstanden die neuen Kombinationen H1N1 („Spanische Grippe), H2N2 („Asiatische Grippe“) und H3N2 („Hongkong Grippe“). Ein weiterer Fakt ist, das eine neue Pandemie schon fast überfällig ist. Lagen zwischen den letzten Pandemien ca. 30, 40 und 10 Jahre, so warten wir mittlerweile schon mehr als 38 Jahre auf einen neuen Ausbruch.

Nach all diesen Erkenntnissen teilte der „UNO-Chefkoordinator im Kampf gegen die Vogelgrippe“, David Nabarro im Herbst 2005 mit, dass es weltweit zu 5-150 Millionen Opfer kommen könnte, würde solch ein Grippe-Virus ausbrechen. Die Anzahl der Toten hänge ganz davon ab, welche Maßnahmen jetzt (Herbst 2005) gegen das Virus unternommen würden.

Vorsorge und Therapie:
Was also wurde getan? Neben den, wie im Kapitel „Die Vogelgrippe“ bereits erläutert, erlassenen Gesetzen, stellte Deutschland nach dem globalen Aufruf der WHO zur Pandemievorsorge (2004) einen nationalen Pandemieplan auf. Hierbei wurde die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern betont, um ein rasches Handeln im Notfall zu garantieren. Außerdem wurden bereits Vorbereitungen getroffen um eine schnellstmögliche Produktion von ca. 160 Millionen Impfdosen zu garantieren. Die Entwicklung des Impfstoffes würde aber ab dem Ausbruch der Pandemie gerechnet ca. drei bis sechs Monate dauern, da sie ja erst möglich ist, wenn man den zu bekämpfenden Virus genau untersucht hat. Zur direkten Behandlung eines infizierten Patienten werde man auf antivirale Neuraminidase-Hemmstoffe zurückgreifen.

Der Bekannteste dürfte wohl Oseltamivir, Handelsname Tamiflu®, sein, welches gezielt die für die Ausknospung des Virus essentielle Neuraminidase blockiert. Dieser Vorgang geht wie folgt vonstatten:  Nachdem das Medikament eingenommen wurde zersetzen bestimmte Leberenzyme das Oseltamivir in den Hemmstoff Oseltamivircarboxylat. Dieser verstopft nun eine Spalte des Neuraminidase-Enzyms, welche notwendig ist, um den Virus aus der Zelle freizusetzen. Obwohl Viren ihre Glykoprotein-Struktur mit jeder neuen Generation ein wenig verändern, bleibt dieser besondere Spalt immer gleich. So wird Oseltamivir wohl nicht nur gegen H5N1 wirken, sondern auch gegen den möglichen Mutanten des Virus oder gegen eine Reassortierung von H5N1 und der humanen Influenza. Im Endeffekt verringert das Medikament die Dauer der Erkrankung um 2-4 Tage und kann so die schlimmsten Probleme (z.B. Lungenentzündung) verhindern. Nichts desto trotz wurden Ende 2006 Oseltamivir-Resistenzen in Ägypten nachgewiesen. Das Virus hatte es, wie auch immer, geschafft durch Mutationen resistent gegen den Hemmstoff zu werden, so dass die zwei infizierten Menschen trotz intensiver Behandlung starben. Die WHO ist dennoch weiterhin der Meinung Oseltamivir zur Bekämpfung einer möglichen Pandemie zu verwenden, da man davon ausgeht, dass der resistente Virusstamm nur sehr gering verbreitet ist.

Verhalten im Pandemiefall
Trotzdem zeigt dieser Vorfall, dass eine Pandemie nicht nur mit der passenden Medizin alleine in den Griff zu bekommen ist.
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Kampf gegen eine Pandemie ist das Verhalten jedes Einzelnen. So gelten im Katastrophenfall besondere Gesetze, festgehalten im „Infetktionsschutzgesetz“. Diesen Reglungen - §28: Verbot von Versammlungen; §31: Berufliches Tätigkeitsverbot – ist im Ernstfall unbedingt Folge zu leisten. So sollten auch unnötige Einkäufe in Supermärkten vermieden werden, in dem man sich schon früh genug mit Nahrungsmittel eindeckt. Auch die grundlegendsten hygienischen Verhaltensmaßnahmen wie „Vermeidung des Händeschüttelns, des Anhustens oder Anniesens“ sollten berücksichtigt werden. Zudem ist besonders auf Kinder zu achten, da diese aufgrund ihres üblicherweise engen Kontakts mit anderen Personen, ihres großen Aktionsradius und ihres allgemein schwächerem Immunsystems, besonders leicht das Virus verbreiten können.

Studie des Robert-Koch-Instituts
Abschließen möchte ich meine Facharbeit mit einer, wie ich finde doch sehr erstaunlichen, aber auch etwas beruhigenden Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI). So berechnete man dort mit Hilfe eines komplexen Szenarios die möglichen Auswirkungen einer Pandemie in Deutschland. Würde diese 8 Wochen andauern und würde jegliche Art von Therapie oder Prophylaxe ausbleiben, würden sich in Deutschland zwar ca. 21 Millionen Menschen mit dem Virus infizieren, aber „nur“ in etwa 160000 an seinen Folgen sterben, gerade mal 0.76% (bei einer Erkrankungsrate von 50%). Da diese Zahlen nicht zu den bisherigen Ereignissen passen (ca.60% Letalität), schrieb ich das Robert-Koch Institut an und fragte nach einer Erklärung.

Diese sieht wie folgt aus: „Das Virus H5N1 muss sich weiter verändern, um die Fähigkeit einer effizienten Mensch zu Mensch Übertragung zu erlangen. Diese Fähigkeit ist Vorraussetzung, dass eine pandemische Situation entsteht. Die Erfahrungen der Vergangenheit mit pandemischen Viren zeigen, dass ein solches pandemisches Virus weniger Todesfälle produziert“.

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