Theorien zur Ausbreitung der Vogelgrippe
Wie aber konnte sich das Virus so schnell ausbreiten? Dafür gibt es hauptsächlich zwei Theorien:
Auf den ersten Blick scheint die Antwort simpel und man muss vermuten, dass infizierte Zugvögel den Virus verschleppt haben, eine These die von den meisten Regierungen und auch der WHO (World Health Organization) oder der FAO (Food and Agriculture Organization) vertreten wird. So sind diese sich einig darüber, dass Wild- und Zugvögel nach Kontakt mit infizierten, im Freien gehaltenen Hühnern das Virus über große Teile der Welt verteilt haben.
Als Konsequenz wurde ein riesiger Anteil des in Freitierhaltung der Kleinbauern lebenden Geflügels notgeschlachtet, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern.
So behauptete Louise Fresco, stellvertretender Generaldirektor der FAO: “Das Hinterhofhuhn ist das große Problem und der Kampf gegen die Vogelgrippe muss im Hinterhof der Armen der Welt stattfinden.”
Im Gegenzug wurde die industrielle Massentierhaltung unterstützt, indem die Regierungen Europas in ihren Ländern unter anderem eine Stallpflicht einführten. Nach GRAIN war dies wohl grundsätzlich falsch. Zwar ist die Annahme, dass Wildvögel von den freilebenden Zuchtvögeln infiziert wurden, korrekt, doch geht das Virus gar nicht von diesen Tieren aus. Eine pathogene Art der Vogelgrippe konnte nur in einer zusammengepferchten Massentierhaltung entstehen, welche jegliche Art von Krankheitsentwicklungen antreibt. Da so gut wie jeder Kleinbauer durch Handel von Vogelfutter, Eintagsküken oder ähnlichem Kontakt mit den Großkonzernen hat, konnte das Virus auch auf freilebende Tiere überspringen.
Betrachtet man nun die Ausbreitungswege des Virus und vergleicht diese mit den Wanderwegen und –zeiten der Zugvögel, so macht GRAIN deutlich, dass diese nicht übereinstimmen, ganz im Gegensatz zu den komplexen Handelswegen der Großindustrie. Also kann man die zuvor aufgestellte These, welche die Zugvögel als Vektoren der Vogelgrippe verdächtigte, entkräften und vermuten, dass die Industrie, bzw. die extrem unübersichtlich gewordenen transnationalen Handelsbeziehungen wohl auch für die Verbreitung des Virus verantwortlich sind.
Das System ist in den letzten Jahren vollkommen außer Kontrolle geraten. Tatsächlich konnte zwischen allen Ausbruchsorten -sei es nun in Europa, Afrika oder Asien- und den Ländern in denen das Virus zum ersten mal auftrat (z.B. Thailand, Indonesien) irgendeine Art von Verbindung gefunden werden.
Hierzu passt eine erschreckende, vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) veröffentlichte Statistik. Auf seiner Homepage ist zu lesen, dass die Importe thailändischen Geflügelfleisches in die EU um über 25% im Jahr 2004 gestiegen sind, trotz eines am 23. Januar 2004 eingeführten Einführverbots von thailändischem Geflügel und Geflügelfleisch.
Experten machen neben den Tiertransporten vor allem den Handel mit Geflügelfutter für den Austausch des Virus von Farm zu Farm verantwortlich. Einen großen Teil dieses industriellen Hühnerfutters macht nämlich tatsächlich “Geflügelabfall” aus, also auch Ausscheidungen, Federn und ähnliches. Eine mehr als bedenkliche Tatsache, hat man doch herausgefunden, dass das Vogelgrippevirus in der Lage ist in Ausscheidungen der Tiere bis zu 35 Tage zu existieren.
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