Genetische Veränderung der Vogelgrippe (H5N1) – Mutation und Reassortement
Immer wieder hört man die Wissenschaftler von den Risiken einer genetischen Veränderung der Vogelgrippe reden, da diese zu einer weltweiten Epidemie führen könne. Diese Veränderung kann auf zwei Weisen geschehen:
Mutation von H5N1:
Zum einen kann das Virus ständig weiter mutieren (Antigen-Drift; siehe auch Kapitel 2.5 „Variabilität des Grippevirus“), bis schließlich eine Variante entsteht, die zwischen Menschen übertragbar ist. Durchaus im Bereich des Möglichen, hat es die Vogelgrippe doch schon geschafft, die „Artenbarriere“ zu überspringen und neben Vögeln auch Katzen oder Hunde zu befallen.
Reassortement von H5N1 und humaner Influenza:
Die zweite Möglichkeit der Virus-Variation, bei der es zu einer „Vermischung“ des H5N1 Virus und der humanen Influenzagrippe kommt, wird Antigen-Shift genannt. Das Genom der Influenza A Viren (nur diese sind zum „antigenic shifting“ in der Lage) besteht aus acht RNA-Strängen, die alle einzeln repliziert werden. Das neue Virus setzt sich also aus einer Kopie jedes Stranges zusammen. Kommt es nun zu einer Doppelinfektion (Koinfektion) einer Zelle, befallen also zwei verschiedene Virentypen gleichzeitig die selbe Wirtszelle, entsteht ein neues Virus, (Reassortant) dass die Eigenschaften der beiden Viren vereinen kann, in dem es zum Beispiel drei RNA-Stränge von Virus A und fünf RNA-Stränge von Virus B bei seiner Zusammensetzung verwendet. Wenn man die Eigenschaften des neuen Virus, das aus H5N1 und der menschlichen Grippe entstehen könnte, betrachtet, versteht man, wieso die Experten sich vor dieser Rekombination so fürchten. Der Reassortant könnte sich so schnell von Mensch zu Mensch übertragen (Virulenz Fähigkeit) wie die humane Grippe (mehrere Millionen Infektionen jährlich, allein in Deutschland) und dabei so tödlich sein wie die Vogelgrippe, an der ca. 60% aller infizierten Menschen starben (157 von 261). Eine geringere Tödlichkeit (Lethalität) des neuen Virus, verglichen mit H5N1, hätte allerdings wahrscheinlich noch schlimmere Auswirkungen, da der Wirtskörper so länger Zeit hätte das Virus weiterzugeben. Als weitere bedrohliche Tatsache kommt hinzu, dass neben den Menschen auch Schweine oder sogar Vögel in Frage kämen, als Wirt bei einer solchen genetischen Rekombination zu dienen. Zieht man all diese Faktoren in Betracht, scheint es nur eine Frage der Zeit und der Zufallswahrscheinlichkeit zu sein, bis das Vogelgrippevirus schließlich mutiert oder sich mit der humanen Influenza vermischt und so möglicherweise eine Pandemie auslöst.